Nachbericht zur Quittenbaum Auktion

FRÜHLINGSGEFÜHLE BEI ITALIENISCHEM DESIGN QUITTENBAUM BERICHTET VON EINER SEHR ERFOLGREICHEN AUKTION

Internationale Bieter, vor allem aus den USA, überboten sich bei den besonders gefragten Klassikern bedeutender italienischer Designer des 20.Jahrhunderts. Die international hohe Nachfrage, sowie ein voller Saal, bescherten bei der ersten Designauktion des Jahres eine Zuschlagquote von über 50% sowie darunter viele sehr hohe Zuschläge.

ERFOLGREICHE BIETER AUS DEN USA

Foto Quittenbaum: Gio Ponti
Foto Quittenbaum: Gio Ponti

Der in meinem Beitrag  vorgestellte Casa e Giordano des italienischen Designers Gio Ponti wurde doppelt so hoch wie der Schätzpreis für 2700€ an einen internationalen Bieter verkauft. Ico Parisis Sideboard wurde für 1500€ in die USA und das vollständige Arbeitszimmer des Studio BBPR für Olivetti für 5200€ von einem kalifornischen Galeristen ersteigert. Der berühmte tube-chair von Joe Colombo ging für 4000€ an ein kalifornisches Museum.

 

Foto: Quittenbaum, Ico Parisi Sideboard
Foto: Quittenbaum, Ico Parisi Sideboard
Foto: Quittenbaum, Joe Colombo,Tube Chair
Foto: Quittenbaum, Joe Colombo,Tube Chair

GÜNSTIG GESCHÄTZT

Foto: Quittenbaum, italienische Sideboards
Foto: Quittenbaum, italienische Sideboards

Eine besonders große Steigerung erfuhren auch zwei italienische Sideboards von unbekannter Entwurfsprovenienz, günstig geschätzt auf 1.800 – 2.200€. Um den schlichten, eleganten und qualitativ sehr hochwertig ausgeführten Entwurf der 1950er Jahre konkurrierten vier internationale Telefonbieter und zwei Saalbieter bis  schließlich nach langem Bietgefecht ein italienischer Sammler das Paar zum Zuschlagspreis von 8.600€ erhielt.

HIGHLIGHT DER AUKTION

Foto: Quittenbaum, Gino Sarfatti
Foto: Quittenbaum, Gino Sarfatti

Das eindeutige Highlight der Auktion war das sehr frühe Leuchtenobjekt 1063 von Gino Sarfatti aus dem Jahr 1954. Mehr Skulptur als Leuchtobjekt, geradezu ein Inbegriff des Funktionalismus, weil ausschließlich aufs Nötigste wie Metallrohr, Neonröhre und blechummantelten Transformatorkasten beschränkt. Das weltweit begehrte Objekt wurde von moderat geschätzten 14.000€ ausgehend in einem lang anhaltenden Bieterkrimi, Schritt für Schritt, für sensationelle 24.000€ Zuschlagspreis verkauft.

AM MEISTEN NACHGEFRAGT

Foto:Quittenbaum, Piero Fornasetti
Foto:Quittenbaum, Piero Fornasetti

Piero Fornasetti war wieder einmal der gefragteste Designer in der Auktion. Bereits seit einigen Jahren erfreuen sich seine dekorativen Keramik-, Möbel- und Leuchtenentwürfe einer stetigen Beliebtheit. 29 der 30 Fornasetti Objekte wechselten zu Preisen zwischen 300€ und 2600€ den Besitzer.

WETERE ERFOLGE BEI INTERNATIONALES DESIGN

Nach dem großen Erfolg der Auktion Italienisches Design am Vortag glänzte auch das internationale Design mit einer Verkaufsquote von fast 50 Prozent und vielen hohen Zuschlägen.

Foto: Quittenbaum, Max Bill
Foto: Quittenbaum, Max Bill

Internationales Interesse erregte der minimalistische, dreibeinige Schichtholzstuhl von Max Bill von 1959. Für 1.700€ geht er in eine Pariser Sammlung.

DEUTSCHE KERAMIKEN

Beate Kuhn, eine der bekanntesten deutschen Keramikerinnen der Nachkriegszeit, verstarb im Dezember 2015. Bereits im letzten Jahr widmete ihr das Grassi Museum in Leipzig eine Ausstellung, nun folgt die Neue Sammlung in München im Juni diesen Jahres nach. Die Präsenz von Kuhns Arbeiten in diesen beiden wichtigen Institutionen trug wohl dazu bei, dass sich ihre Keramiken durchweg gut verkauften – für Preise zwischen 350€ und 1.600€.

Foto: Quittenbaum, Beate Kuhn
Foto: Quittenbaum, Beate Kuhn

 

Margarete Heymann-Marks Teeservice aus dem Jahr 1930 erzielte den oberen Schätzpreis von 1200€ und geht damit in den spanischen Handel. Ein Exemplar des Services mit einem anderem Dekor ist auch in der neu eingerichteten Keramikpräsentation des Berliner Bröhan-Museums ausgestellt.

Foto: Quittenbaum, Margarethe Heymann-Marks
Foto: Quittenbaum, Margarethe Heymann-Marks

 

SKANDINAVISCHES DESIGN

Reges Interesse herrschte für das skandinavische Design. Ein Bieter aus China konnte die begehrte Herztüte von Verner Panton aus dem Jahr 1958 für 2000€ erwerben.

Foto: Quittenbaum, Verner Panton
Foto: Quittenbaum, Verner Panton

Star der skandinavischen Offerte war jedoch, wie schon oftmals in der Vergangenheit, der zurückhaltend elegante Schreibtisch von Bodil Kjaer, den man aus mehreren James Bond-Filmen kennt. Für 13.000€ Zuschlag wechselt er nun den Besitzer von Belgien nach Deutschland.

Foto:Quittenbaum, Bodil Kjaer
Foto:Quittenbaum, Bodil Kjaer

DEUTSCHES DESIGN

Zu beobachten ist außerdem: Deutsches Design wird im internationalen Handel immer beliebter. Wie zum Beispiel die Wohnobjekte von Günter Beltzig. Gemeinsam mit Luigi Colani und einigen anderen Entwerfern verkörpert Beltzig die verspielte, anthropomorphe Formensprache der späten 1960er und frühen 1970er Jahre, eine Gegenbewegung zum streng funktionalen deutschen Design der Hochschule für Gestaltung (HFG), Ulm. Das in seiner Vollständigkeit wohl einzigartige Floris Set von 1967, bestehend aus drei Stühlen und dem zugehörigen Tisch, stieß auf reges Interesse und wurde nach kurzem Bietgefecht zweier Interessenten für 32.000€ an einen Schweizer Sammler abgegeben.

Foto: Quittenbaum, Günter Beltzig
Foto: Quittenbaum, Günter Beltzig

 

DESIGN AUS DEN USA

Beim Design aus den USA lieferten sich mehrere Interessenten am Telefon und im Saal ein erbittertes Bietgefecht um die Kommode Rosewood Case des amerikanischen Entwerfers George Nelson. Erst nachdem sich die untere Taxe für das elegante Möbel aus den frühen 1950er Jahren mehr als vervierfacht hatte, erfolgte der Zuschlag bei 7.500€.

Foto: Quittenbaum, George Nelson
Foto: Quittenbaum, George Nelson

 

Das eklektische Designobjekt wie der Traccia Tisch von Meret Oppenheim, 1936 entworfen und in den 1970er Jahren von Dino Gavina in Italien  neu aufgelegt, erfreut sich zur Zeit besonderer Beliebtheit. Der Zuschlag bei 3.100€ ging hier in die Schweiz.

Foto: Quittenbaum, Meret Oppenheim
Foto: Quittenbaum, Meret Oppenheim

NACHVERKAUF

Der Nachverkauf, für die noch verbliebenen, spannenden italienischen Entwürfe der 1930er / 2000er Jahre, beginnt ab sofort und endet am 24. März.

Bei all diesen schönen und wertvollen Möbeln ist es nicht  leicht eine Auswahl zu treffen. Bei meinem Vorbericht über die Auktion hatte ich eine kleine Auswahl vorgenommen und diese mit dem Lebensstil Hygge in Einklang zu setzen versucht. Wenn ihr auf die Seite geht, könnt ihr Anhand der verlinkten Bilder die Zuschläge erfahren.  Hoffe, euch Geschmack auf den Nachverkauf oder auf weitere Auktionen gemacht zu haben, und wünsche viel Vergnügen beim Bieten.

Eure Anna

 

 

 

Share on FacebookPin on PinterestTweet about this on TwitterShare on Google+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.